Kanzlei-Telefon einrichten: Der Leitfaden für neue Anwälte 2026

Die Zulassung ist da. Die Kanzlei ist angemeldet. Die Visitenkarten sind bestellt. Und dann, irgendwo zwischen Berufshaftpflicht und erstem Aktenordner, taucht eine Frage auf, für die das Studium nicht ausgebildet hat: Welche Nummer gebe ich an? Was passiert mit Anrufen, wenn ich beim Mandanten sitze?
Telefonie klingt banal. Ist sie aber nicht. Über das Telefon läuft der erste Kontakt zu potenziellen Mandanten, und dieser erste Kontakt entscheidet oft darüber, ob ein Mandat gewonnen oder verloren wird. Eine FindLaw-Studie zeigt: 72 Prozent der potenziellen Mandanten beauftragen den Anwalt, der als erstes erreichbar ist. Wer hier schlecht aufgestellt ist, verliert Mandate, bevor er überhaupt ein Erstgespräch führen konnte.
Dieser Leitfaden führt Sie durch alle Entscheidungen, die Sie in den ersten Wochen treffen müssen: welche Nummer zu Ihrer Situation passt, wie Sie die richtige Telefonanlage auswählen, welche Weiterleitungsregeln Sie von Anfang an einrichten sollten, und was passiert, wenn Sie beim Gericht sitzen oder im Mandantengespräch sind. Den ausführlichen Anbietervergleich mit echten Preisen finden Sie in unserem Blog Telefonanlage für Anwälte: Der beste Anbieter 2026.
Warum Sie keine private Handynummer als Kanzleinummer angeben sollten
Viele frisch zugelassene Anwältinnen und Anwälte machen denselben Fehler: Sie geben ihre private Mobilnummer als Kanzleinummer an. Das spart kurzfristig Zeit und Geld. Langfristig schafft es ernsthafte Probleme.
Keine Trennung von Privat und Beruf. Mandantenanrufe am Sonntagabend, während des Urlaubs, beim Sport. Sie können nicht mehr kontrollieren, wann Ihre Kanzlei offen ist.
Keine professionellen Funktionen. Keine zeitgesteuerten Ansagen, kein strukturiertes Voicemail, keine Weiterleitungsregeln.
Unprofessioneller erster Eindruck. Eine 0176-Nummer auf Briefpapier signalisiert keine etablierte Kanzlei. Das mag unfair sein, aber es ist die Wahrnehmung von Mandanten.
Was Sie stattdessen brauchen
Eine dedizierte Kanzleinummer, am besten eine lokale Festnetznummer mit Ortsvorwahl. Sie signalisiert lokale Präsenz, ist professionell und lässt sich vollständig von Ihrem Privatleben trennen. Dank moderner VoIP-Technologie ist diese Nummer nicht an einen physischen Ort gebunden: Sie läuft per App auf Ihrem vorhandenen Smartphone, keine zweite SIM, kein zweites Gerät.
Welche Nummernart passt?
Für Solo-Anwälte gibt es im Wesentlichen zwei sinnvolle Optionen:
- Lokale Festnetznummer (zum Beispiel 030, 089): Erste Wahl. Professionell, lokal verankert, heute per VoIP vollständig ortsunabhängig nutzbar.
- Geschäftliche Mobilnummer (separate SIM): Als kurzfristige Übergangslösung akzeptabel, langfristig zu eingeschränkt, keine professionellen Weiterleitungsregeln, keine Festnetznummer.
Die richtige Telefonanlage für Ihre Kanzlei wählen
Für eine Solo-Kanzlei empfehlen wir eine VoIP-Lösung über einen dedizierten Business-Anbieter. Die Technik ist günstig, mobil nutzbar und in einem Tag eingerichtet. Einen vollständigen Vergleich der Anbieter Sipgate, Placetel und Telekom Business mit echten Preisen finden Sie in unserem Blog Telefonanlage für Anwälte: Der beste Anbieter 2026.
Kurzüberblick für den schnellen Einstieg
Sipgate Business S (ab 12,95 €/Monat netto, mind. 2 Nutzer):
Empfehlung für maximale Flexibilität. App für iOS und Android, zeitgesteuertes Routing im Web-Interface, monatlich kündbar, Server in Deutschland. Minutenabrechnung ab 0,84 ct/Min, günstiger als jede Flatrate, solange Sie unter 2.000 Minuten/Monat telefonieren.
Quelle: sipgate.de/preise, Mai 2026
Placetel Voice + Allnet-Flat (ab 9,90 €/Monat, Einzelnutzer möglich):
Günstigster Einstieg ohne Mindestnutzerzahl. DE-Allnet-Flat inklusive, 30 Tage kostenlos testen, DSGVO-konform.
Quelle: placetel.de/preise, Mai 2026
Telekom Business DSL Start (9,95 € / dann 44,95 €/Monat netto, 24 Monate Laufzeit):
Sinnvoll, wenn Sie ohnehin einen neuen Büro-Internetanschluss benötigen. 3 Rufnummern, Festnetz-Flat, 2 Sprachkanäle. Einschränkung: an den Kanzleistandort gebunden, weniger flexibel für mobile Nutzung.
Quelle: geschaeftskunden.telekom.de, Mai 2026
Einrichtung: Was Sie am ersten Tag tun
1. Anbieter-Account anlegen und Kanzleinummer bestellen
2. App auf Ihrem Smartphone installieren
3. Separaten Klingelton für Kanzleianrufe aktivieren (bei Sipgate und Placetel möglich)
4. Testanruf auf die eigene Nummer, läuft alles durch?
5. Weiterleitungsregeln einrichten (siehe nächste Section)
Weiterleitungsregeln: Was Sie von Tag 1 an einrichten sollten
Eine Kanzleinummer ohne Weiterleitungsregeln ist wie ein Briefkasten ohne Abholung. Richten Sie diese vier Grundregeln von Anfang an ein, das dauert je nach Anbieter 15 bis 30 Minuten.
Regel 1: Zeitsteuerung, Bürozeiten klar definieren
Innerhalb der definierten Bürozeiten klingelt das Telefon normal. Außerhalb läuft automatisch eine professionelle Ansage.
Beispiel-Ansage für außerhalb der Bürozeiten: "Sie haben die Kanzlei [Name] erreicht. Unsere Bürozeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Bitte hinterlassen Sie nach dem Signalton Ihren Namen, Ihre Rückrufnummer und Ihr Anliegen, wir melden uns am nächsten Werktag bei Ihnen."
Bei Sipgate und Placetel richten Sie die Zeitsteuerung direkt im Web-Interface unter "Erreichbarkeitszeiten" oder "Routing-Regeln" ein. Bei der FRITZ!Box über die Zeitsteuerung der Rufumleitung.
Regel 2: Bei besetzt weiterleiten
Wenn Sie telefonieren, landet ein zweiter Anrufer direkt auf der Voicemail, kein störendes Anklopfen während eines laufenden Mandantengesprächs.
GSM-Code zur manuellen Einrichtung: **67*[Mailboxnummer]#, einfach wie eine Rufnummer wählen.
Regel 3: Bei Nichtannahme nach 20 Sekunden
Wenn Sie nicht abnehmen, greift nach etwa 4 Klingelzeichen automatisch die Voicemail oder eine konfigurierte Weiterleitung. Der Anrufer landet nicht in einem endlosen Klingeln.
GSM-Code zur manuellen Einrichtung: **61*[Zielrufnummer]#
Regel 4: Urlaubsmodus
Vor jedem Urlaub schalten Sie eine sofortige Weiterleitung auf eine Abwesenheitsansage mit konkreten Angaben, wann Sie zurück sind.
Beispiel-Ansage: "Die Kanzlei [Name] ist vom [Datum] bis [Datum] geschlossen. Bitte hinterlassen Sie Ihre Rückrufnummer, wir melden uns am [Datum] zurück."
GSM-Code zur manuellen Einrichtung: **21*[Zielrufnummer]#
Eine vollständige Anleitung zur Einrichtung auf iPhone, Android, FRITZ!Box, SNOM, Yealink und bei Telekom, Vodafone, O2 sowie 1&1 finden Sie in unserem Blog Rufumleitung einrichten in der Kanzlei.
Was tun, wenn Sie beim Gericht oder im Mandantengespräch sind?
Das ist die Alltagsfrage, die in keinem Lehrbuch steht: Was passiert mit einem Anruf, während Sie in der mündlichen Verhandlung sitzen?
Im Gericht
Im Gerichtssaal ist das Handy aus. Kein Abhören, kein Zurückrufen, kein Abnehmen. Was sollte in dieser Zeit passieren?
- Alle eingehenden Anrufe landen auf einer professionellen Ansage
- Der Anrufer kann eine Nachricht hinterlassen
- Nach der Verhandlung sehen Sie, wer angerufen hat, und priorisieren nach Dringlichkeit
Praktische Umsetzung: Die Nichtannahme-Umleitung nach 20 Sekunden fängt alles auf. Richten Sie zusätzlich Voicemail-to-Email ein, Sprachnachrichten landen als Audiodatei in Ihrem Postfach, und Sie können sie in der Pause abhören.
Im Mandantengespräch
Während eines Mandantengesprächs darf das Telefon nicht klingeln. Zwei Optionen:
- Bitte-nicht-stören-Modus (DND): Alle Anrufe werden sofort auf Voicemail umgeleitet. Bei Sipgate und Placetel gibt es dafür einen Ein-Klick-Button in der App.
- Besetzt-Umleitung: Wenn Sie gerade aktiv ein VoIP-Gespräch führen, greift automatisch die Besetzt-Umleitung.
Empfehlung: Gewöhnen Sie sich an, vor jedem Mandantengespräch kurz den DND-Modus zu aktivieren. Das dauert zwei Sekunden und schützt das Gespräch.
Unterwegs und beim Außentermin
Wenn Sie das Handy nicht sofort abnehmen können, greift nach 4 Klingelzeichen automatisch die Nichtannahme-Umleitung. Der Mandant bekommt die Ansage, kann eine Nachricht hinterlassen und weiß: jemand meldet sich zurück. Das ist deutlich besser als ein Klingeln, das einfach abbricht.
Das Risiko hinter der Voicemail, und was hilft
Alle vier Weiterleitungsregeln laufen am Ende auf dasselbe hinaus: Wenn Sie nicht rangehen, landet der Anruf auf der Mailbox. Das ist besser als nichts. Aber es ist kein zuverlässiges Mandantensicherungssystem.
Warum: Nur 15 bis 20 Prozent der Anrufer hinterlassen tatsächlich eine Nachricht auf einem Anrufbeantworter. Der Rest legt auf. Und weil juristische Anliegen für Anrufer immer dringend wirken, gilt: Wer bei Ihnen auf die Mailbox trifft, ruft kurz darauf die nächste Kanzlei an. Die bereits erwähnte FindLaw-Studie macht das messbar: 72 Prozent der potenziellen Mandanten beauftragen den Anwalt, der als erstes erreichbar ist.
Was gegen das Voicemail-Problem hilft
Eine Möglichkeit ist eine Sekretariatskraft oder ein externer Telefonservice, der Anrufe in Ihrer Abwesenheit entgegennimmt und Anliegen strukturiert aufnimmt. Einen Vergleich der verschiedenen Optionen, von der Teilzeit-Sekretärin bis zum virtuellen Sekretariat, finden Sie in unserem Blog Telefonservice für Rechtsanwälte.
Wenn Sie häufig nicht erreichbar sind, beim Gericht, im Mandantengespräch, am Wochenende, lohnt sich ein Blick auf einen KI-Telefonassistenten als zweite Auffanglinie. Er nimmt Anrufe an, erfasst das Anliegen strukturiert, schätzt die Dringlichkeit ein und informiert Sie, ohne dass Mandate an der Voicemail scheitern. Wer den Urlaubsmodus nutzt, legt dabei einfach das Rückkehrdatum fest: Anrufer werden informiert, ihr Anliegen wird trotzdem aufgenommen. Kein verlorenes Mandat, keine Pflicht-Mailbox-Abhörrunde nach der Reise.
Checkliste: Telefon-Setup für neu zugelassene Anwälte
Damit nichts vergessen geht, hier die vollständige Einrichtungs-Checkliste für die ersten Wochen.
Nummer und Anschluss
- Dedizierte Kanzleinummer bestellen (VoIP-Festnetznummer empfohlen)
- Anbieter auswählen: Sipgate Business S oder Placetel Voice + Allnet-Flat
- App auf Smartphone einrichten
- Separaten Klingelton für Kanzleianrufe aktivieren
- Testanruf auf die eigene Nummer durchführen
Weiterleitungsregeln
- Bürozeiten definieren und Zeitsteuerung einrichten
- Nichtannahme-Umleitung nach 20 Sekunden aktivieren
- Besetzt-Umleitung aktivieren
- Professionelle Ansage aufnehmen (Name, Bürozeiten, Bitte um Rückrufnummer)
- Voicemail-to-Email aktivieren
Sonderszenarien
- Urlaubsmodus testen: Funktioniert die sofortige Weiterleitung?
- DND-Button in der App finden und üben
- Code
##002#als Kurzwahl speichern (deaktiviert alle Weiterleitungen auf einen Streich)
Externe Kommunikation
- Kanzleinummer auf Visitenkarte, Briefpapier und E-Mail-Signatur eintragen
- Kanzleinummer bei Google Maps und Google Business eintragen
- Kanzleinummer in der Rechtsanwaltskammer-Datenbank aktualisieren
Fazit
Das Wichtigste auf einen Blick
Wer am Anfang 30 Minuten in das richtige Telefon-Setup investiert, spart sich später viele verpasste Mandate und viele gestörte Abende. Eine dedizierte Kanzleinummer, eine VoIP-Lösung für unter 15 Euro pro Monat, vier konfigurierte Weiterleitungsregeln, das ist kein Luxus, sondern Grundausstattung für einen professionellen Start.
Die Technik steht Ihnen nicht im Weg. VoIP ist in einem Tag eingerichtet, läuft auf dem Smartphone, das Sie ohnehin dabei haben, und kostet einen Bruchteil dessen, was ein einziges verpasstes Mandat wert wäre.
Die eigentliche Frage ist nicht, wie Sie telefonieren. Die Frage ist, was hinter der Voicemail passiert, wenn Sie beim Gericht sitzen, im Gespräch sind oder im Urlaub. Wer auch in diesen Momenten professionell erreichbar sein will, findet in LexDial eine Lösung, die genau diese Lücke schließt: DSGVO-konform, Hosting in Deutschland, direkt mit Ihrer bestehenden Kanzleinummer verbunden.
Ihre Kanzlei, immer erreichbar
LexDial ist ein KI-Telefonassistent speziell für deutsche Anwaltskanzleien. Er nimmt Anrufe an, wenn Sie nicht können, beim Gericht, im Mandantengespräch, im Urlaub. DSGVO-konform, Hosting in Deutschland, in wenigen Minuten eingerichtet. Pakete ab 69 Euro im Monat.
Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Blogs geben den Stand zum Zeitpunkt ihrer letzten Aktualisierung (Mai 2026) wieder. Wir überprüfen bestehende Beiträge nicht laufend auf Aktualität.
Häufige Fragen
Was Sie hier oft fragen
Eine dedizierte lokale Festnetznummer mit Ortsvorwahl ist die erste Wahl. Sie ist professionell, trennt Beruf und Privatleben klar und ist dank VoIP heute vollständig per App auf dem Smartphone nutzbar, ohne zweites Gerät oder zweite SIM-Karte.
Die einfachste Methode ist das Web-Interface Ihres VoIP-Anbieters (Sipgate oder Placetel). Alternativ funktionieren GSM-Codes wie **61*[Nummer]# (bei Nichtannahme) und **67*[Nummer]# (bei besetzt) auf nahezu jedem Gerät und Anbieter in Deutschland. Eine vollständige Anleitung für alle Geräte und Anbieter finden Sie in unserem Blog zur Rufumleitung.
Mit einer korrekt eingerichteten Nichtannahme-Umleitung nach 20 Sekunden landen alle Anrufe automatisch auf der Voicemail oder einem konfigurierten Assistenten. Wer häufig nicht erreichbar ist, sollte neben der Voicemail eine aktive Lösung einsetzen, denn nur 15 bis 20 Prozent der Anrufer hinterlassen tatsächlich eine Nachricht.
Mit Sipgate Business S oder Placetel Voice + Allnet-Flat liegen die monatlichen Kosten bei 10 bis 26 Euro netto. Dazu kommt keine Hardware-Investition, da beide Lösungen per App auf dem vorhandenen Smartphone laufen. Der Telekom Business DSL Start ist günstiger in der Aktionsphase, kostet ab dem 7. Monat aber 44,95 Euro netto, sinnvoll nur als kombinierter Internet- und Telefoniezugang.
Eine professionelle Ansage mit klaren Rückrufzeiten ist der erste Schritt. Wer dauerhaft sicherstellen will, dass kein Mandat verloren geht, ergänzt seine Voicemail mit einem KI-Telefonassistenten wie LexDial, der Anliegen strukturiert aufnimmt, die Dringlichkeit einschätzt und Sie informiert, DSGVO-konform und direkt mit der bestehenden Kanzleinummer verbunden.
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Autor
Viktor Siewert
Co-Founder & CTO
Technischer Co-Founder von LexDial, dem KI-Telefonassistenten für Anwaltskanzleien
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