ReFa-Mangel: Wie Kanzleien das Sekretariat entlasten, wenn Personal fehlt

Viktor Siewert, Co-Founder & CTO26. September 20268 Minuten Lesezeit
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Die Stellenanzeige läuft seit Monaten. Auf "Rechtsanwaltsfachangestellte (m/w/d) gesucht" haben sich zwei Menschen beworben, eine davon ohne Kanzleierfahrung. Die erfahrene Kollegin, die seit Jahren alles zusammenhält, arbeitet für zwei, und das Telefon klingelt, während sie fünf weitere Dinge tut. Der Anwalt nimmt selbst ab, zwischen zwei Mandantengesprächen.

Wer eine Kanzlei führt, kennt diese Lage oder fürchtet sie. Dieser Artikel ist für diesen Moment gedacht. Er beantwortet nicht, wie man Rechtsanwaltsfachangestellte wird, sondern was eine Kanzlei tun kann, wenn sie keine findet oder eine verliert: welche Aufgaben sich verteilen lassen, welche nicht, warum das Telefon der erste Hebel ist und wie ein Übergangsplan aussieht.

Was fehlt, wenn im Sekretariat jemand fehlt

Eine Rechtsanwaltsfachangestellte, früher Anwaltsgehilfin genannt, ist in vielen Kanzleien das Nervensystem. Sie nimmt Anrufe an, bearbeitet die Post, führt den Fristenkalender, bereitet Akten vor, schreibt nach Diktat, rechnet ab und betreut Mandanten, die vor der Tür stehen. Fällt sie weg, verteilt sich das nicht von selbst. Es landet beim Rest des Teams und beim Anwalt.

Am schnellsten spürbar wird das am Telefon. Jeder Anruf unterbricht, was gerade passiert. Wer gleichzeitig Fristen prüft und Anrufe annimmt, macht beides schlechter. Und wer als Anwalt zwischen zwei Terminen selbst abnimmt, verbringt seine Zeit mit Aufgaben, die kein juristisches Wissen verlangen.

Welche Aufgaben sich verteilen lassen und welche nicht

Der erste Schritt ist eine ehrliche Liste. Schreiben Sie alle Aufgaben der offenen Stelle auf und ordnen Sie jede einer von drei Gruppen zu.

AufgabeWer kann übernehmenBemerkung
FristenkontrolleTeam mit KanzleisoftwareBleibt im Haus, mit Vier-Augen-Prinzip
beA-Versand und EingangTeamBleibt im Haus
Aktenanlage und -führungTeam mit KanzleisoftwareBleibt im Haus
Telefonische ErstannahmeExterner Telefonservice oder KI-TelefonassistentGut auslagerbar
Schreibarbeit nach DiktatSchreibdienst oder SpracherkennungMit Verschwiegenheitsverpflichtung
Post scannen und digitalisierenDienstleisterMit Verschwiegenheitsverpflichtung
Buchhaltung, vorbereitende ArbeitenSteuerbüro, SoftwareTeilweise auslagerbar
TerminvereinbarungTeam, Online-BuchungMandatstermine vergibt die Kanzlei
Empfang vor OrtTeamBleibt im Haus

Was im Haus bleibt, verlangt Kanzleiwissen und Verantwortung. Was sich auslagern lässt, verlangt vor allem Zeit. Genau diese Zeit fehlt, wenn eine Stelle unbesetzt ist.

Verschwiegenheit gilt auch beim Auslagern

Jeder Dienstleister, der Mandantendaten sieht, fällt unter dieselben Regeln. § 43e BRAO regelt, unter welchen Voraussetzungen Rechtsanwälte Dienstleister in Anspruch nehmen dürfen, unter anderem mit einer Verpflichtung des Dienstleisters zur Verschwiegenheit. Verarbeitet der Dienstleister personenbezogene Daten im Auftrag, verlangt Art. 28 DSGVO einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Das ist eine Wiedergabe der Normen, keine Rechtsberatung; die Bewertung im Einzelfall bleibt bei Ihnen.

Warum das Telefon zuerst entlastet werden sollte

Unter allen Aufgaben des Sekretariats hat das Telefon drei Eigenschaften, die es zum besten ersten Hebel machen.

Es unterbricht alles andere. Ein Anruf kommt, wann er will. Wer ihn annimmt, lässt liegen, woran er gerade arbeitet. Konzentrierte Arbeit an Fristen und Schriftsätzen verträgt das schlecht.

Es lässt sich sauber abgrenzen. Die telefonische Erstannahme hat einen klaren Anfang und ein klares Ergebnis: eine Notiz, wer angerufen hat, worum es geht und wie dringend es ist. Das lässt sich übergeben, ohne dass jemand Zugriff auf Akten braucht.

Es kostet Mandate, wenn es nicht klappt. Eine liegen gebliebene Ablage merkt der Mandant nicht sofort. Einen Anruf, den niemand annimmt, schon. Wer niemanden erreicht, ruft die nächste Kanzlei an.

Die Möglichkeiten für das Telefon

  • Externer Telefonservice: Mitarbeitende eines Dienstleisters nehmen im Namen der Kanzlei ab, folgen einem Skript und schicken eine Notiz. Die Preisseiten von ebuero, anwaltssekretariat.de, starbuero und phonea nennen eine Grundgebühr von 0 bis rund 190 Euro im Monat, dazu je angenommenem Anruf 0,59 bis 1,70 Euro und je Gesprächsminute bis 1,39 Euro (Stand 09/2026, netto). Rund um die Uhr gegen Aufpreis.
  • KI-Telefonassistent: nimmt durchgehend an, auch mehrere Anrufe gleichzeitig, fragt je Rechtsgebiet nach und legt eine Notiz mit Wortlaut hin. Bei LexDial 69, 179 oder 329 Euro im Monat, netto.
  • Kombination: Das vorhandene Team nimmt Bestandsmandanten an, die Vertretung übernimmt Erstanfragen, Randzeiten und den Überlauf, wenn niemand abnimmt.

Zum Vergleich: Eine Rechtsanwaltsfachangestellte verdient laut WSI-Lohnspiegel in Vollzeit 2.620 bis 3.060 Euro brutto im Monat, eine Halbtagskraft mit 20 Wochenstunden anteilig rund 1.380 bis 1.610 Euro; dazu kommen Arbeitgeberanteil und Nebenkosten. Der Vergleich hinkt mit Absicht: Eine Telefonlösung übernimmt eine Aufgabe, keine ganze Stelle. Aber sie verschafft der Stelle, die besetzt ist, Luft. Was Mensch und KI am Telefon jeweils können und wo ein Mensch besser ist, zeigt unsere Seite zum Sekretariatsservice.

Was ein KI-Telefonassistent nicht übernimmt

Klarheit über die Grenzen gehört dazu. Ein KI-Telefonassistent übernimmt die telefonische Erstaufnahme, nicht das übrige Sekretariat. Akten, Fristenkalender, beA und persönliche Betreuung bleiben bei Menschen und Kanzleisoftware. Er gibt keine Rechtsberatung, vergibt keine Mandatstermine in Ihrem Namen und gibt keine Auskunft zur Akte. Wer nach dem Stand seiner Sache fragt, bekommt keine Auskunft; Sie bekommen eine Notiz.

Genau das ist in der Personalnot der Punkt: Die Aufgaben, für die Sie eine Rechtsanwaltsfachangestellte brauchen, bleiben bei ihr. Die Anrufe, die sie ständig aus diesen Aufgaben reißen, übernimmt jemand anderes.

Das vorhandene Team entlasten, sofort

Auch bevor eine Lösung für das Telefon läuft, lässt sich einiges tun, damit die Menschen, die noch da sind, nicht ausbrennen.

Telefonfenster statt Dauerbereitschaft. Legen Sie Zeiten fest, in denen das Team Anrufe annimmt, und Zeiten, in denen es konzentriert arbeitet. Außerhalb der Fenster greift eine Weiterleitung oder eine Ansage mit Rückrufzeit. Wie Sie das technisch einrichten, steht in unserer Anleitung zur Rufweiterleitung.

Feste Rückrufzeiten. Rückrufe gebündelt zu einer festen Zeit, etwa vor 10 Uhr und nach 16 Uhr, statt verteilt über den Tag.

Priorität klar regeln. Fristen vor Telefon, beA vor Ablage, Notfälle vor allem. Was dringend ist, entscheidet der Anwalt, nicht die Person, die gerade abnimmt.

Nicht alles selbst schreiben. Standardschreiben als Vorlage in der Kanzleisoftware sparen jeden Tag Zeit.

Offen sagen, was liegen bleibt. Wenn eine Stelle fehlt, bleibt etwas liegen. Besser, das Team weiß, was es sein darf, als dass jeder versucht, alles zu schaffen.

Die Stelle besetzen und halten

Entlastung ersetzt keine Einstellung. Sie verschafft Zeit, um die richtige Person zu finden und die vorhandene zu halten. Einige Hebel liegen in der Hand der Kanzlei.

Die Stelle ehrlich beschreiben

Viele Stellenanzeigen listen alles auf, was in einer Kanzlei anfällt. Beschreiben Sie, was die Stelle tatsächlich ausmacht, und sagen Sie, was Sie abgegeben haben. "Die telefonische Erstannahme übernimmt ein Assistent, Sie konzentrieren sich auf Fristen, beA und Mandatsbearbeitung" ist ein anderes Angebot als "Telefon, Empfang, Post, Fristen, Abrechnung".

Flexibilität anbieten, wo sie möglich ist

Nicht jede Aufgabe muss im Büro erledigt werden. Schreibarbeit, Abrechnung und Teile der Aktenführung lassen sich mit der richtigen Software auch von zu Hause erledigen. Teilzeitmodelle öffnen die Stelle für Menschen, die Vollzeit nicht wollen oder können.

Weiterentwicklung ermöglichen

Wer als Rechtsanwaltsfachangestellte Perspektiven sieht, bleibt eher. Fortbildungen, etwa zur Rechtsfachwirtin, und mehr Verantwortung in der Sachbearbeitung sind Argumente, die nicht nur Geld kosten.

Selbst ausbilden

Rechtsanwaltsfachangestellte ist ein anerkannter Ausbildungsberuf. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, dual in Kanzlei und Berufsschule, zuständig ist die Rechtsanwaltskammer. Wer ausbildet, baut sich die Fachkraft von morgen auf, braucht dafür aber heute jemanden im Team, der Zeit für Anleitung hat. Auch dafür hilft es, wenn das Telefon nicht ständig dazwischenfunkt.

Welche Aufstellung zu welcher Kanzlei passt

Einzelkanzlei ohne Sekretariat. Hier ist das Telefon oft die ganze Stelle, die fehlt. Eine Lösung für die Erstannahme deckt die Grunderreichbarkeit ab, ohne eine Stelle zu besetzen; Fristen und beA führen Sie mit der Kanzleisoftware selbst.

Kanzlei mit einer Kraft im Sekretariat. Die Kollegin behält Kernzeiten, Bestandsmandanten und alles, was Kanzleiwissen verlangt. Abende, Wochenenden, Urlaub und Spitzen übernimmt die Vertretung am Telefon.

Kanzlei mit mehreren Kräften, eine Stelle unbesetzt. Die Aufgaben der offenen Stelle werden nach der Tabelle oben verteilt, das Telefon zuerst. So fängt das Team die Lücke auf, ohne dass eine Person doppelt arbeitet.

Sehr wenige Anrufe. Dann genügt oft eine gut eingerichtete Weiterleitung auf das Mobiltelefon und eine klare Ansage mit Rückrufzeit.

Ein Übergangsplan für die ersten 30 Tage

Wenn eine Stelle frei wird oder frei bleibt, hilft ein fester Plan mehr als tägliches Improvisieren.

Woche 1: Bestand aufnehmen. Alle Aufgaben der Stelle auflisten, den drei Gruppen zuordnen, Verantwortliche für alles festlegen, was im Haus bleibt. Fristenkontrolle zuerst, mit Vertretung.

Woche 2: Das Telefon abgeben. Eine Lösung für die telefonische Erstannahme auswählen und einrichten, zunächst für Randzeiten und Überlauf, dann für Erstanfragen. Eine einheitliche Telefonnotiz für alle, die noch abnehmen. Eine Vorlage finden Sie in unseren Vorlagen für Telefonnotiz und Ansagen.

Woche 3: Weitere Aufgaben auslagern. Schreibdienst, Post-Digitalisierung, vorbereitende Buchhaltung, jeweils mit Verschwiegenheitsverpflichtung und, wo nötig, Auftragsverarbeitungsvertrag.

Woche 4: Die Stelle neu ausschreiben. Mit der ehrlichen Beschreibung dessen, was bleibt, und dem, was Sie abgegeben haben.

Fazit

Wenn im Sekretariat eine Rechtsanwaltsfachangestellte fehlt, ist die Versuchung groß, alles auf die übrigen Schultern zu verteilen. Das hält selten lange. Besser ist eine bewusste Trennung: Was Kanzleiwissen verlangt, bleibt im Team. Was vor allem Zeit kostet, wird abgegeben. Das Telefon ist dabei der erste und wirksamste Schritt, weil es alles andere unterbricht und weil verpasste Anrufe Mandate kosten.

LexDial übernimmt diesen Teil: Der Assistent nimmt jeden Anruf an, erkennt, wer anruft, stellt die Fragen zur Fallart, stellt Notfälle an eine hinterlegte Nummer durch und legt Ihnen eine Notiz hin. Ihr Team gewinnt die Zeit, die es für Fristen, beA und Mandanten braucht, und Sie gewinnen Zeit, die richtige Person für die offene Stelle zu finden.

Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Blogs geben den Stand zum Zeitpunkt ihrer letzten Aktualisierung (26. September 2026) wieder. Wir überprüfen bestehende Beiträge nicht laufend auf Aktualität.

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Viktor SiewertCo-Founder & CTO

Mitgründer und CTO von LexDial, dem KI-Sekretariat für Anwaltskanzleien. Leitet die Entwicklung des Assistenten und der Verschlüsselung.

Häufige Fragen.

Was tun, wenn die Kanzlei keine Rechtsanwaltsfachangestellte findet?

Zuerst die Aufgaben der offenen Stelle auflisten und sortieren: Was muss ein Mensch mit Kanzleiwissen tun, was kann Software oder ein Dienstleister übernehmen? Fristen, beA und Akten bleiben im Team. Die telefonische Erstannahme, Schreibarbeit und Teile der Buchhaltung lassen sich auslagern.

Welche Aufgaben einer ReFa lassen sich auslagern?

Gut auslagern lassen sich die telefonische Erstannahme, Schreibarbeiten nach Diktat, das Scannen und Digitalisieren von Post und Teile der Buchhaltung. Fristenkontrolle, beA, Aktenführung und die persönliche Betreuung von Mandanten bleiben bei Menschen und Kanzleisoftware.

Ersetzt ein KI-Telefonassistent eine Rechtsanwaltsfachangestellte?

Nein. Er übernimmt die telefonische Erstaufnahme, nicht das übrige Sekretariat. Akten, Fristenkalender, beA und persönliche Betreuung bleiben bei Menschen und Kanzleisoftware. Er entlastet das vorhandene Team, damit es für diese Aufgaben Zeit hat.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und findet dual in Kanzlei und Berufsschule statt. Zuständig ist die Rechtsanwaltskammer. Wer selbst ausbildet, baut sich die Fachkraft von morgen auf, braucht dafür aber Zeit im Team.

Kann eine Kanzlei ohne Sekretariat funktionieren?

Für Einzelkanzleien ist das häufig der Normalfall. Voraussetzung ist, dass die Aufgaben des Sekretariats bewusst verteilt sind: Kanzleisoftware für Fristen und Akten, ein Weg für die Post, eine Lösung für das Telefon und klare Zeiten für Rückrufe.

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